Viel Ride – No Fly

Wochenende 14./15. Juni

Ein herrliches warmes Sommerwochenende steht vor der Tür – wie geschaffen für eine gemütliche Radtour, nicht nur für mich: Vergangene Nacht hatte ich Gesellschaft auf meinem Shelterplatz. In der benachbarten Hütte übernachtete Doro, eine alleinreisende Langstreckenradlerin aus München, Baujahr 1953. Alle Achtung, mit über 70 noch so auf Achse zu sein und draußen im Shelter statt in einem feinen Bett zu schlafen finde ich eine hoch respektable Leistung.

Für mich geht es ab nun konsequent nach Süden – denn ich habe mal wieder einen Plan. Ganz aufgegeben habe ich die Hoffnung noch nicht, dass es doch noch ‘mal in die Luft geht. Die Herausforderung besteht nun darin, an der Ostküste Jütlands Fluggebiete zu finden und zu erreichen, die bei Westwind fliegbar sind. Halbinseln oder vorgelagerte Inseln kommen hierfür in Frage: die Halbinsel Helgenæs östlich von Aarhus, die Insel Samsø und natürlich Fünen. Helgenæs liegt am Nächsten. Dort will ich am Montag sein, wenn der Westwind einsetzt.

In zwei Tagesetappen geht es von Dokkedal über Hadsund, wo der Mariagerfjord per Brücke überquert werden kann und die Seilfähre über den Randersfjord zunächst bis nach Auning. Von dort radel ich Sonntags weiter über Rønde in den Nationalpark Mols Bjerge und weiter nach Süden bis zur südlichsten Spitze der Halbinsel Helgenæs.

Gleich zu Beginn geht es spannend los – der Küstenradweg Nr 5 führt durch ein Naturschutzgebiet und Reservat für freilaufende Elche. Die hab ich allerdings nicht gesehen – und auch der Radweg war stellenweise kaum auszumachen.

Hier soll ‘s irgendwie weitergehen…
Aber bitte nicht zu schnell….

Hat hier jemand von einer gemütlichen Radtour gesprochen? Diese beiden Etappen haben es in sich! Mir war schon klar, dass die Landschaft hier an der Ostküste hügelig ist – das macht ja gerade den Reiz aus. Aber die Hügelchen wollen erstmal erarbeitet werden – und das ca 55 kg schwere Gewicht meiner Schubkarotte samt Zuladung zieht unerbittlich nach unten. Den ersten 30 m – Hügel flieg ich quasi noch hinauf, den zweiten auch noch. Nummer 5 und 6 werden schon zäher und ab dem Zehnten wird’s anstrengend….

360 Höhenmeter kumuliert auf 49 km Strecke – nicht schlecht für’s flache Dänemark. Und die Hügel haben es in sich, meist zwischen 6 und 8 Prozent Steigung.

Am Sonntagnachmittag stehen nach 2 Tagesetappen 130 km und kumuliert über 800 m Anstieg auf der Uhr.

Hab ich eigentlich schon irgendwo erwähnt, dass die Schubkarotte kein E-Bike ist? Da kommt der Kreislauf gut in Schwung und das bei jetzt wirklich sommerlichen Temperaturen.

Überhaupt scheint die Gegend um den Nationalpark Mols Bjerge klimatisch sehr begünstigt zu sein. An mehreren Stellen versuchen sich optimistische Dänen sogar im Weinbau!

Kleine Bildergalerie mit Impressionen von unterwegs

Abschnittsweise darf ich auf der Trasse einer stillgelegten Eisenbahnlinie radeln
locker rollt es dort mit wenig Steigung nach Süden
Die ehemaligen Bahnhöfe sind von der Bauform noch als solche zu erkennen, ansonsten aber zu schmucken Wohnhäusern umgebaut
Zum Mittag im Café Piccolo in Hadsund
Liebevoll gepflegte Dorfgemeinschaftshäuser…
Flussquerung bei Auning
Und immer wieder lange Alleen, die zu großen Gutshäusern führen
Ausgedehnte Felder bis zum Horizont… der ist ganz schön weit weg, denn ich bin hier fast 80 m über Meeresspiegel
Blick auf die Bucht von Aarhus
Im Westen zieht die angekündigte Kaltfront mit Regen und Gewitter auf. Ich bin aber schon auf der Halbinsel Helgenæs, meinem Ziel.
Im Schutz des Shelters wird gekocht, während der Regen vom Himmel prasselt