Tag 15: das Versteck im Wald

Keine Sorge, heute wird es nicht schon wieder um Gegenwind gehen. Ist ja eh klar, wo das Lüftchen herkommt.

Vor meinem Nachtquartier frühstücke ich in der Sonne, ich vermeide aber bewusst das Wort genießen, dazu wurde der Kaffee zu schnell kalt. Ich trage die Kleidung vierlagig: auf der Haut ein langärmliges Shirt aus Merinowolle, darüber ein Fleece Shirt, dann die Fleecejacke und zuletzt die Daunenjacke. Und ich kann nicht sagen, dass es mir zur warm war. Die Sonne gibt schon um 8 Uhr früh ihr Bestes, aber nun ja…der Wind!

Es soll heute weiter nach Norden in die Gegend von Hanstholm gehen. Nicht weit ist das, nur ca 50 Radwegkilometer. Dort möchte ich mich für ein paar Tage auf dem Campingplatz einmieten. In Sichtweite zum Gleitschirmspot Hamborg, der bei Windrichtung zwischen Nord und Nordost gute Flugbedingungen bietet, sollen es ein paar geruhsame Tage werden, wenn der Wind passt geht’s Fliegen, wenn nicht gibt’s Ruhepause und Alternativprogramm. Das ist der Plan!

Ich radel also weiter auf dem Fernradwanderweg Nr 1 Vestkyststien nach Nordosten. Die Navigation ist einfach, da die Beschilderung vorbildlich ist. GPS und Karte brauch ich nicht zur Hilfe nehmen.

Der Weg leitet mich landschaftlich super abwechslungsreich durch die aufblühende Wald- und Heidelandschaft.

Sogar im Grünstreifen zwischen der Straße und dem Radweg blüht es im Überfluss.

In Norre Vorupør gibt es einen kurzen Zwischenstopp. Hier liegen die Fischerboote noch auf dem Strand und werden mit Seilwinden in’s und aus dem Wasser gezogen.

Am Strand von Norre Vorupør

Auch eines der Seenotrettungsboote liegt am Strand. Wenn die Besatzung dieses Bootes rausfährt, dann liegt die See ja normalerweise nicht spiegelglatt wie ein Ententeich da. Sehr mutig, sich auf dem Boot in die schwere Brandung schleppen zu lassen um sich dann durch die Brandungszonen auf die offene See zu kämpfen!

In Klitmøller kehr ich zur Mittagspause im Café Grill Bar “Cold Hawaii” ein. Der Ort macht heute seinem Namen alle Ehre, der Burger war aber lecker und die Betreiber hatten mangels vieler anderer Gäste Zeit für einen Schnack mit mir. Die sind beide aus Norddeutschland, seit 18 Jahren in Dänemark und schmeißen das Café nun seit 15 Jahren.

Ich änder hier in Klitmøller meinen Plan. Was soll ich denn bei diesem giftigen Wind auf dem Campingplatz in Hanstholm, schön in der ersten Reihe an der See? Das Wetter bietet schließlich Zweiklassengesellschaft: stehst du im Wind, dann frierst du dir die Nase ab! Im Windschatten und in der Sonne kannst du mit Badehose im Gras liegen. Ich entscheide mich für Badehose, biege nach Osten ab und suche einen Shelter im Waldgebiet zwischen Klitmøller und Hanstholm.

Gesucht – gefunden: hier kann ich mich wunderbar vor dem kalten Wind verstecken. Schöne Aussicht inklusive! Die ist vom Herzhäuschen sogar am Allerbesten. Die Tür bleibt einfach auf bei diesem Panorama!

Gegen Abend möchte ich noch mal nach Klitmøller an den Strand. Der Wind soll abends nach Nordwest drehen und vor Sonnenuntergang auch nachlassen.

Die Dünenlandschaft bei Klitmøller erinnert mich sehr an meine Abende an der holländischen Küste

Ich nehme vorsichtshalber Sissy mit. Man weiß ja nie, vielleicht ist ja noch ein kurzer Flug zum Sunset drin!

Der Rest braucht nicht viel Worte. Ich bin zur rechten Zeit am rechten Ort: Eine Stunde im Sonnenuntergang über den Dünen von Klitmøller chillen 😀

Pünktlich zum Sonnenuntergang schläft der Wind beinah ein und während die Sonne auf dem Horizont aufsetzt verschwindet meine Ausrüstung wieder im Packsack.

Selbst die Heimfahrt ist ein Genuss. Auf meinem 8 km langen Ritt begegne ich einem Radfahrer und einigen wenigen Autos. Ansonsten Stille und Vogelgezwitscher…

Abendstimmung über dem Vandet Sø

Randnotiz

  • 60 km geradelt
  • Das ø entdeckt😀