Nach meinem gestrigen Abendflug und der späten Heimkehr in mein gemütliches Zuhause starte ich entspannt in den Tag.

Ich will heute nur bis auf den Campingplatz Hamborg bei Hanstholm, Luftlinie 7…8 km, auf dem Radweg durch den Nationalpark sind es aber doch knapp 20 km. Kein Ding, sollte man meinen!
Sissy hat gestern während des Fluges in den Sonnenuntergang ordentlich Feuchtigkeit aus der Seeluft gesaugt und darf sich in einer windgeschützten Stelle in der Waldlichtung sonnen und trocknen.

Währenddessen ist Lesestunde angesagt. Mich zieht es icht weg von hier, sonnig und windgeschützt wie es ist. Die Wettervorhersage hat mir für heute 5 Bft, in Böen 7, aus Nordost prophezeit. Wenn ich schaue, wie die kleinen Schönwetterwölkchen über mich jagen und wie der kleine See Nors Sø munter Schaumkronen produzierend brodelt, dann ahne ich, dass es eher stärker als schwächer bläst. Gegen Abend soll der Wind jedoch abflauen. Da muss ich, nein, da will ich für einen genussvollen Flug an der Küste bei Hamborg sein.
Der Weg dahin ist dann unerwartet kräftezehrend.

Volles Rohr weht es mir mit rund 40 km/h entgegen, die Route ist hügeliger als erwartet und ich bewege mich auf dem Radfernweg Nr 2 Hanstholm-Kopenhagen zu 70…80% auf unbefestigten Sand- und Kieswegen. Da rollt das Rad schon schlecht, wenn es eben und windstill ist.

Wenn dann noch Steigung und Gegenwind dazu kommen, dann geht das an die Kräfte. Und ich gestehe: Zum ersten Mal auf dieser Reise denk ich, wenn dich jemand dazu zwingen würde, hätte er sofort ne Klage am Hals.
Auf dem Campingplatz angekommen stell ich fest, dass es hier keinen windgeschützten Platz für mein Zelt gibt, auch keinen Aufenthaltsraum und die Stellplätze, die einigermaßen geschützt sind, werden regelmäßig von Staubfahnen der auf den Kieswegen vorbeirollenden Wohnmobile überzogen.
Das will ich alles nicht, und so gönne ich mir den Luxus , trotz sonnigem Wetter den Schutz in einer der festen Behausungen auf dem Campingplatz zu suchen. Kein preiswertes Vergnügen – aber ich will mich ja nicht quälen😉

Um 16 Uhr mach ich mich auf zum direkt beim Campingplatz liegenden Startplatz. Oha, da schwebt schon ein Pilot mit einem knallroten Ozone Alpina über der Hangkante. Wenn’s bei dem geht, dann geht’s bei mir auch!
Noch eben sorgfältig den Startplatz, die Landemöglichkeiten und den Wind checken. Mittlerweile haben sich zwei weitere deutsche Piloten, Karsten und Sven, dazugesellt. Aber leider haben auch diese Beiden keine Erfahrung mit dem Gebiet hier. Macht aber Nichts, die Windstärke nimmt jetzt relativ schnell in den Genussbereich ab, der Startplatz ist eine riesige Wiese ohne Hindernisse, das Fluggebiet ist übersichtlich ohne böse Einschnitte, vorspringende Kanten etc, und für eine Notlandung steht ein kilometerlanger breiter Strand zur Verfügung. Alles safe! Viel Spaß! Luftraum checken, niemand ist in der Nähe, Schirm aufziehen, Kontrollblick in die Kappe, passt. Start!

Mit der Zeit werden es immer mehr Schirme, die mit mir wie an einer Perlenschnur an der Kante entlang soaren. Diese ist kürzer, als ich erwartet hatte, bietet aber durch ihre Höhe trotzdem ordentlich Flugspaß – ich weiß aber nicht, ob ich zur Hochsaison hier sein möchte, denn mit vielen PilotInnen kann es hier glaub ich auch mal eng im Luftraum werden.

Nach ca 1 Stunde Airtime ist der Wind soweit abgeflaut, dass ich nicht mehr ohne feinfühliges Steuern oben bleiben kann. Da ich keine Lust habe, nach einer Landung am Strand von da nach oben zu laufen, kämpfe ich mich noch mal ein wenig in die Höhe, schwebe mit 2…3 m Höhe über Grund über die obere Kante des Abhangs und lande sanft auf der flachen Wiese am Start-( und Lande)platz.
Super cool! Ich freue mich über einen weiteren schönen Tag mit Ride ‘n Fly in Denmark, sinke jedoch nach einem leckeren Sundowner und einer warmen Dusche ziemlich schnell in’s Bett! Jahaaaa, ein richtiges Bett!