Freitag der 13.

Gestern bin ich also über 100 km geradelt, um heute hier in Dokkedal mit meinem Gleitschirm abheben zu können. So zumindest der Plan!

Die Wetterprognosen sind immer noch gut, Sonne satt und Wind aus Südosten. Ideal wäre für Dokkedal allerdings Ostwind, da die Küste ziemlich genau von Norden nach Süden verläuft und ich den Wind gerne senkrecht zur Küstenlinie habe. Aber wir sind eben nicht bei “Wünsch dir was” und ich bin guter Dinge, dass der Hang auch noch bei seitlicher Anströmung aus Südosten gut trägt.


Gut 3 km muss ich von meinem Shelter zum Startplatz radeln und mir pfeift der Wind schon ordentlich um die Nase. Gut so!!! Am Strand treffe ich auf eine Gruppe lustiger GleitschirmfliegerInnen aus der Gegend um Karlsruhe. Meine Kontaktversuche wurden zunächst zurückhaltend aufgenommen – ich müsse erstmal badisch lernen. Haha, sehr witzig – wenn ich als Schwarzwälder eins kann, dann ist das noch im Halbschlaf auf badener Dialekt schimpfen, wenn man mich nachts um 2 aufweckt. Tatsächlich habe ich später am Tag noch eine sehr nette Zeit mit der Reisegruppe, die als organisierte Veranstaltung durch Michael Vögele von AirLeben betreut wird.

Die Gruppe war früher dran als ich und hat ihre Session gerade abgebrochen. Auweia, denke ich, du willst gerade loslegen und die machen Schluss…. Wird ja seinen Grund haben, warum sie nicht weiterfliegen. Ist der Wind bereits zu stark? Kommt er doch zu sehr von der Seite? Es dauert einen Moment bis ich rausfinde, dass es einfach nur daran liegt, dass sie noch nicht gefrühstückt hatten und es nun Zeit für eine Pause ist.
Wie schön – ich hab also auch dieses Fluggebiet für mich alleine! Nach wenigen Minuten hänge ich in der Luft über dem Strand von Dokkedal.

Das Landschaftsbild ist hier so viel anders im Vergleich zur Westküste. Vom Startplatz aus Richtung Norden geht es entlang eines dicht bewaldeten Hanges, Richtung Süden ist die Düne mit Gras bewachsen. Und Richtung See blickt man auf eine ausgedehnte Flachwasserzone, die durch eine langgezogenen Sandbank vom offenen Wasser des Kattegat abgetrennt ist. Wunderschön!

Die Windbedingungen werden aber zunehmend sportlich – der Blick auf die See zeigt mir zahlreiche dicht beieinander liegende Schaumkrönchen, das sind auf jeden Fall 5 Beaufort. Immer wieder brauche ich den Beschleuniger, um noch Vorwärtsfahrt gegen den Wind machen zu können. Es wird Zeit, landen zu gehen. Unten am Strand gibt es eine riesige frisch gemähte Wiese – ein idealer Landeplatz auch bei starkem Wind.

Gegen Abend soll der Wind wieder nachlassen und möglicherweise geht noch ‘mal ein Flugfenster auf. Da mich Nichts vorwärts treibt kann ich einfach hier bleiben und diesen wunderschönen Sommertag am Strand von Dokkedal genießen.


Ganz entspannt beschäftige ich mich mit der Frage, wie es denn mit meiner Reise weitergeht: planmäßig soll es an der Ostküste Jütlands weiter nach Süden gehen, allerdings setzt die Wettervorhersage für die kommenden 10 Tage ein Fragezeichen hinter diesen Plan: noch bis Sonntag soll das warme Wetter mit Südostwind anhalten, am Sonntag wird dann eine Kaltfront mit Regen und Gewitter Dänemark erreichen und danach für ca eine Woche eine kräftige Westströmung einsetzen. Typisches Dänemark-Wetter mit idealen Flugbedingungen an der Westküste. Dass dieses Wetterszenario so eintritt bewerten die Meteorologen vom dänischen Wetterdienst DMI als sehr wahrscheinlich.


Zwei Optionen nehm ich in die Auswahl:

  • A: Ich bleibe wie geplant an der Ostküste und entdecke die so völlig andere Küstenlandschaft am Kattegat und an der Ostsee. Fliegerisch wird dann allerdings nicht mehr viel gehen, denn die meisten Fluggebiete hier sind für östliche Winde geeignet.
  • Oder B: Ich nutze den Ostwind der nächsten beiden Tage und lasse mich quer durch Jütland entlang des Limfjordes wieder zurück an die Westküste blasen. Dort werden mich nächste Woche dann sicherlich viele Flugstunden erwarten, allerdings an überwiegend bereits bekannten Orten und auch die Radtour entlang der Westküste zurück Richtung Süden wird nicht soooo viel Neues bringen.

Die Neugierde auf die Ostküste obsiegt über die Fluggeilheit. Die Entscheidung ist zugunsten Option A gefallen!

Gegen Abend lässt der Wind wie angekündigt nach und ich mache mich wieder startklar für einen wunderschönen Abendflug über Dokkedal. Vielleicht ist dies mein letzter Flug dieser Dänemark-Reise. Das kann durchaus passieren. Mit diesen Gedanken koste ich die Zeit in der Luft umso mehr aus!

Die Düne ist hier wie geschaffen für Spielereien mit dem Gleitschirm. Auch Toplandungen – also Landungen oben auf der Kuppe – können hier völlig gefahrlos trainiert werden. Und man kann das nicht genug üben, denn Toplandungen sind häufig anspruchsvoll und bei der Einschätzung der Situation hilft nur Erfahrung….durch Üben, Üben, Üben. Und wenn man schon ein wenig älter ist, muss man eben noch n bisl häufiger üben bis es sitzt.

Das obligatorische Sonnenuntergangsfoto darf natürlich auch heute nicht fehlen
Abendstimmung auf dem Weg zum Übernachtungsplatz