Morgens im Bad bei der Morgentoilette, ich bin noch immer auf dem Campingplatz in Hamborg, in einem Augenblick der inneren Einkehr spür ich ein ungewohntes Jucken am linken Handgelenk, ungefähr da, wo das Armband meiner Uhr verläuft. Ein kleiner dunkler Fleck sitzt auf meiner Haut, nicht fest und unbeweglich, aber doch unverrückbar und auch nicht abwischbar! Es wird doch nicht….doch es ist: ich reise nicht mehr alleine.

Eine Zecke hat sich als blinder Passagier eingeschlichen, manche sagen sie sei das gefährlichste Tier Dänemarks. Mit der Pinzette entferne ich das kleine Tierchen vorsichtig und begutachte das Ergebnis: das kleine Monster hat losgelassen und sich mit Kopf entfernen lassen. Die Stelle des Bisses wird desinfiziert und vorsichtshalber werde ich das Ganze in den nächsten Tagen sorgfältig auf Entzündung und Rötung beobachten, aber ich bin zuversichtlich, dass ich das Tier rechtzeitig entdeckt und entfernt hab und somit die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit Borrelien klein sein sollte.
Da es auch heute wieder wie auch schon die Tage zuvor kräftig windet, geht es frühestens am späten Nachmittag, wenn überhaupt, Fliegen. Ich hab also Zeit und Muße für Hausarbeit, Wäsche waschen, Einkaufen, Lesen.


Alles was heute nicht dringend gebraucht wird kommt in die Waschmaschine und auf die Leine. Der trockene Nordostwind und die Sonne leisten Trocknungsarbeit in Rekordzeit.
Anschließend roll ich vom Rückenwind geschoben nach Hanstholm zum Einkaufen. Das Städtchen selbst liegt gut geschützt hinter den Dünen einige hundert Meter von der See entfernt. Funktional und schmucklos trifft es vielleicht ganz gut, eine Kleinstadt, die mit und von der Fischerei lebt. Hanstholm ist Dänemarks grösster Fischereihafen, das Industriegebiet besteht eigentlich ausschließlich aus fischverabeitender Industrie und allen Gewerken, die der Hochseefischfang so nötig hat.

Ein echtes Schmuckstück ist der Leuchtturm Hanstholm Fyr.

Am späten Nachmittag wage ich mich dann mit meiner Flugausrüstung an den Startplatz. Es weht immer noch kräftig, Mittelwind ca 30 km/h aber sehr böig mit Spitzenwerten bis 45 km/h, gemessen oben an der Kante des Abhangs, wo sich der Wind über das querstehende Geländehindernis quetschen muss und den Gesetzen der Physik folgend richtig Fahrt aufnimmt. Im ungestört durchströmten Luftraum überm Strand wird es weniger sein.
Die beiden Flieger Carsten und Sven, die ich gestern hier kennengelernt habe, sind schon seit ca 1,5 Stunde hier und beobachten etwas ernüchtert den Wind und das Wetter. Hier oben wird das Nichts mit Starten und Fliegen, das ist klar. Aber unten am Strand den Schirm aufziehen, vorsichtig ein paar Meter den Hang hochkiten und von da aus Starten, das sollte gehen. Geht auch, aber richtig Spaß bringen tut es nicht: ich achte sehr sehr sorgfältig darauf, dass ich weit vor der Hangkante überm Strand bleibe, um bloß nicht in den starken Aufwind vor der Hangkante zu kommen. Ich will auf gar keinen Fall Höhe machen, um keine Gefahr zu laufen, nach hinten weggeblasen zu werden. Es schult die fliegerischen Fertigkeiten, aber Genussfliegerei ist das nicht! Die gibt’s dann später als Überraschungsmoment doch noch!
Knapp zwei Stunden lang bis in den Sonnenuntergang hinein dürfen wir als kleine Gruppe von 4…5 PilotInnen magische Momente über der dänischen Küste erleben.




Mit Sven und Carsten sitze ich noch bis knapp vor Mitternacht zum Klönen vor Svens Camper. Man merkt es jedem von uns an, dass wir sehr berührt sind durch unsere wunderschöne Erfahrung dieses Tages!