In Sichtweite zum Leuchtturm Bovbjerg

Mit Vogelgezwitscher beginnt der neue Tag nach einer weiteren kalten Nacht.

Ich weiß nicht, wie die Temperaturen wirklich sind, 3 bis 5 Grad, so um den Dreh wird es sein. Den Schlafsack mach ich jedenfalls bis zum Anschlag zu und zieh den Wärmekragen und die Kapuze dicht. So lässt es sich gut aushalten.

Bereits zum Frühstück weht ein Lüftchen aus Süden – es wird schnell wärmer und ich möchte den idyllischen Lagerplatz nur ungern verlassen. Da ich heute nur eine kurze Strecke von ca 35 km vor mir habe, kann ich mir viel Zeit lassen und mach erstmal etwas Kartenarbeit. Zur Planung der nächsten Tage trage ich alle mir bekannten Fluggelände in meine Fahrradkarte ein. Ganz old school arbeite ich hier noch mit Papier.

Anschließend roll ich ganz gemütlich nach Norden Richtung Bovbjerg. In Thorsminde ist Zwischenstop für einen Kaffee, Auffüllen der Vorräte für die nächsten 2 Tage und einen kurzen Besuch im Museum St. George, das die Geschichte rund im die vielen gestrandeten Schiffe an der Westküste Jütlands aufbereitet.

Von Thorsminde sind es nur wenige Kilometer bis zum Leuchtturm Bovbjerg.

Dieser steht auf einer ca 40 m hohen Erhebung, die als Steilküste in die Nordsee abfällt.

Natürlich bin ich zum Fliegen her gekommen, schließlich ist dieses Cliff einer der bekannten Spots für Gleitschirmflieger. Aber für mich als Geowissenschaftler hat sich der Besuch auch ohne Fliegen schon gelohnt, denn auch geologisch ist diese Kante sehr bekannt. Die Kuppe, auf der der Leuchtturm steht, ist Teil der Endmoräne aus der letzten Eiszeit. Bis hierher kam vor 20.000 Jahren das Eis aus dem Norden, und kein Schritt weiter. Die Nordsee hat sich über die Jahrtausende quer durch diese Erhebung durchgefressen und so sieht man vom Strand aus quasi in’s Innere der Endmoräne und kann erahnen, wie das Eis diesen riesigen Wall zusammengeschoben und hat. Im Bovbjerg Minimuseum gibt’s eine kleine Ausstellung dazu, leider nur auf Dänisch.

Aber mein Plan sieht ja vor, dass ich am morgigen Dienstag an dieser Kante fliegen geh:

Die Windprognose hat sich leider etwas verschlechtert und es wird, wenn ich Glück habe, nur vormittags für 1 bis 2 Stunden mit gut 20 km/h aus Westen wehen. Ab Mittag wird der Wind deutlich auffrischen und zu stark für mich und meine Sissy werden.

Es ist wie immer: Mal sehen wie’s tatsächlich wird