Das war eine kalte Nacht 🥶. Der angekündigte Nordwind hat Frost ins Land gebracht und ich bin froh, dass ich meinen warmen Daunenschlafsack eingepackt habe. Der hat mich Frostbeule kuschelig warm gehalten – aber kälter werden braucht’s nicht.

Was gibt’s Schöneres als nach so einer Nacht die ersten warmen Sonnenstrahlen zu spüren und das Fauchen des Gaskochers zu hören.
Mein Weg führt mich nun weiter Richtung Westküste entlang der Niederungen und kleinen Flüsschen, die den hügeligen Osten Jütlands zur Nordsee hin entwässern. Entlang dieser Niederungen führten alte Handelsstraßen von der Gegend um Ribe, der ältesten Stadt Dänemarks, nach Haderslev. In Gram mussten die Händler den Fluss überqueren – und dafür natürlich Zölle entrichten. Ein einträgliches Geschäft, und so steht bis heute eines der prachtvollsten Gebäude Südjütlands in Gram.

Punkt 12 Uhr Mittags komme ich in Hjortlund an – reiner Zufall war das, denn ich wollte schon seit rund einer Stunde Pause machen, hab aber in der dünn besiedelten Agrarlandschaft kein einladendes und windgeschütztes Plätzchen gefunden. Da kam die Kirche in Hjortlund gerade recht.

Ich wunderte mich, warum die Glocken überhaupt nicht aufhörten zu läuten. Ca 20 min nach 12 kam eine völlig verschwitzte Frau in Arbeitsklamotten aus der Kirche und erzählte mir, dass der dänische König verfügt hatte, dass am 5. Mai 12 Uhr Mittags alle Kirchenglocken für 15 Minuten läuten sollten zum 80. Jahrestag der Befreiung Dänemarks und Europas. Selbstverständlich werden die Glocken in Hjortlund Kirke noch mit Muskelkraft geläutet – die nette Dänin hat sich ihr Mittagessen auf jeden Fall verdient 💪
Für mich geht’s weiter Richtung Esbjerg – der Wind hat mächtig aufgefrischt auf 5 bis 6 Windstärken und auf Nordwest gedreht. Jetzt gibt’s richtig was auf die Nase und meine Durchschnittsgeschwindigkeit geht in den Keller auf unter 18 km/h. Egal, ich hab ja Zeit, und in Esbjerg gibt’s zur Belohnung Lekkerli.

Ca 15 km nördlich von Esbjerg finde ich einen idyllischen Shelterplatz – tip top gepflegt. Wieder bin ich völlig alleine hier, lass all meine Sachen im Shelter zurück und brech nach dem Abendessen noch ‘mal auf für einen Ausflug an’s Wattenmeer.
